19. Januar 2026
«Weiterbildungen sind Investitionen in die eigene Zukunft»
Bildquelle: Vitaly Gariev, Unsplash
Eine Weiterbildung ist teuer, Schulgebühren und Lernmaterialien können schnell einmal Tausende von Franken kosten. Zudem muss man häufig das Arbeitspensum reduzieren – hat also ein kleineres Einkommen –, um genügend Zeit für Schule und Lernen freizumachen. Eine finanzielle Unterstützung in Form von Stipendien oder Darlehen wäre in dieser Situation sehr willkommen. Wer hat Anrecht darauf?
Die Sektion Stipendien im Amt für Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau ist zuständig für die finanzielle Unterstützung von Menschen, die sich aus- oder weiterbilden lassen wollen. 2025 wurden beim Kanton rund 3900 Gesuche eingereicht, davon wurden etwa 70% positiv beantwortet.
Keine Angst vor Darlehen
Was ist der Unterschied zwischen Stipendien und Darlehen? Stipendien sind Gelder, die man nicht zurückzahlen muss. Diese werden vor allem für Erstausbildungen (Lehre, Mittelschule, Studium) gesprochen. Erwachsene, die eine Zweitausbildung oder eine Weiterbildung machen möchten, können Darlehen beantragen. Bei beiden Formen sind die familiären finanziellen Verhältnisse ausschlaggebend.
«Viele Leute haben eine gewisse Angst vor Darlehen, weil man den Betrag zurückbezahlen muss», sagt Daniel Kistler, Leiter der Sektion Stipendien. Doch die Modalitäten im Kanton AG seien grosszügig. Die Darlehen werden ohne Zins vergeben und für die Rückzahlung hat man zehn Jahre Zeit. «Die erste Rate ist erst im dritten Jahr nach Abschluss der Ausbildung fällig. Ein Darlehen vom Kanton ist also immer ein viel besserer Deal als ein Kredit bei einer Bank und eine gute Investition in die eigene Zukunft», weiss Kistler.
Digital und speditiv
Wer im Aargau Darlehen oder Stipendien beantragen will, kann dies vollständig digital erledigen. Die Kommunikation und das Hochladen der benötigten Dokumente können via PC oder Handy erfolgen. Die Nutzung sei gut und die Wartezeiten hätten sich verkürzt seit der Einführung des Stipendienportals, das im Vergleich mit anderen Kantonen ziemlich modern sei, findet Kistler.
Was ist aus Sicht des Kantons wichtig resp. erhöht die Chancen auf eine positive Beurteilung eines Gesuchs? «Man sollte sich vorgängig genau informieren, was man alles einreichen muss. Es braucht viel Zeit, v. a. bei Erstgesuchen, alle Unterlagen und Informationen zusammenzustellen. Und wenn man etwas nicht versteht oder unsicher ist, sollte man nachfragen.» Fragen stellen kann man seit August nicht nur per Telefon oder Mail, sondern auch auf der Website: Ein Bot hilft weiter bei den gängigen Themen.
Die häufigsten Gründe für Absagen sind übrigens unvollständige Dossiers sowie die finanziellen Verhältnisse: Das Einkommen/Vermögen der Eltern oder das eigene Einkommen ist zu hoch. Kistler: «Wir empfehlen, vor Beginn einer Ausbildung die Informationen auf unserer Homepage gut durchzulesen und sich bei Fragen mit uns in Verbindung zu setzen.»
Weitere Unterstützung: Bund, Arbeitgeber, privat
Wer sich im Bereich der höheren Berufsbildung weiterbilden will, kann sich an den Bund wenden. Der Bund übernimmt im Nachhinein rund die Hälfte der Kosten für Weiterbildungskurse, die zu einem eidgenössischen Fachausweis (Berufsprüfung BP) oder zu einem eidgenössischen Diplom (Höhere Fachprüfungen HFP) führen. Bedingung: Man muss an die Prüfung (bezahlt wird auch, wenn man durchfällt) und die Schule muss vom Bund anerkannt sein. Das System klingt komplizierter als es ist, ein gutes Informationsvideo auf der Website klärt auf (Link siehe unten).
Wer eine Weiterbildung anstrebt, die ihn oder sie im bestehenden Job besser qualifiziert, sollte unbedingt auch beim Arbeitgeber anfragen, ob dieser sich an den Kosten beteiligt. Je nach Grösse des Betriebes und dem Nutzen der angestrebten Weiterbildung für diesen, sind Arbeitgeber grosszügig. In solchen Fällen ist es üblich, dass man sich verpflichtet, noch einige Jahre nach Abschluss der Weiterbildung in der Firma zu bleiben.
Schliesslich hilft es, wenn man Erspartes einsetzen oder eventuell auf die Unterstützung der Familie zählen kann. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, ein Budget über die ganze Zeitdauer der Weiterbildung zu erstellen. Grundsätzlich gilt, was Daniel Kistler betont: «Jede Weiterbildung ist eine Investition in die eigene Zukunft.»
Drei konkrete Beispiele
Jakob, 26, Schreiner EFZ, wohnt in einer WG und hat wenig Erspartes. Er entschliesst sich, eine zweite Ausbildung als Koch zu machen. Wie kann er sich diesen Schritt finanzieren?
Jakob hat gute Chancen, dass er vom Kanton ein Darlehen bekommt. Da er nochmals eine Lehre (d. h. Ausbildung auf Sekundarstufe 2) machen will und falls er wichtige Gründe angeben könnte, wieso es für ihn nicht mehr möglich ist, seinen Erstberuf auszuüben (z.B. Gesundheit), hätte er eventuell auch Chancen für Stipendien.
Sandra, 42, hat einen Uniabschluss (MA) in Germanistik. Sie arbeitet als Kommunikationsspezialistin in einem Museum und möchte einen MAS (Master of Advanced Studies) in Kulturmanagement absolvieren. Sie lebt zusammen mit Mann und zwei Kindern in einem grossen Einfamilienhaus. Wo könnte sie Unterstützung beantragen?
Beim Kanton kann Sandra ein Darlehen beantragen, maximal 20'000 CHF pro Jahr; wahrscheinlich sind ihre finanziellen Verhältnisse aber so, dass sie die Weiterbildung selbst bezahlen muss. Sie sollte mit dem Arbeitgeber besprechen, ob dieser einen Teil der Kosten übernimmt.
Pedro, 31, hat eine Lehre als Polymechaniker EFZ abgeschlossen. Nach einigen Berufsjahren möchte er sich weiterbilden zum Technischen Kaufmann (BP). Er lebt zusammen mit seiner Freundin und spart auf die Familiengründung in ein bis zwei Jahren. Gibt es finanzielle Unterstützung für ihn?
Für den eidgenössischen Fachausweis kann Pedro beim Bund die Hälfte der Ausbildungskosten zurückverlangen. Beim Kanton müsste er sehr gut begründen können, wieso eine Eigenfinanzierung nicht möglich ist, um ein Darlehen zu erhalten.
Weitere Informationen
- ask!-Merkblatt «Stipendien und Darlehen»
- ask!-Merkblatt «Finanzierung von Weiterbildungen»
- ag.ch/stipendien: Ausführliche Seite zu Stipendien und Darlehen des Kantons, mit Bot für die häufigsten Fragen
- Bundesbeiträge für Kurse, die auf eidgenössische Prüfungen vorbereiten: Erklärvideo und Links zu den Informationsblättern und Anmeldeformular.