7. September 2026
Mit dem Bewerbungsvideo zur Lehrstelle?
Bildquelle: rmartinr, Pixabay
Nach wie vor setzen viele Lehrbetriebe auf vollständige Bewerbungsdossiers, Schnupperlehren und persönliche Gespräche. Wird ein Video eingesetzt, dann meist aus Eigeninitiative der Jugendlichen oder für Berufe, bei denen Auftreten, Kommunikation und digitale Kompetenz besonders wichtig sind. Nur in Ausnahmefällen verlangen Lehrbetriebe ausdrücklich ein Video, was dann in der Ausschreibung klar erwähnt ist.
Wann macht ein Video tatsächlich Sinn?
Besonders geeignet sind kreative Berufe. Für die Berufe Mediamatiker:in oder Interactive Media Designer:in ist ein Bewerbungsvideo beispielsweise oft fast schon ein «Muss». Einerseits sind diese Lehrstellen sehr begehrt und entsprechend umkämpft. Andererseits wird mittels eines Videos direkt gezeigt, dass digitale Tools sicher beherrscht und kreativ eingesetzt werden. Ein gutes Video hilft hier nicht nur beim Auffallen, sondern ist gleichzeitig ein erster praktischer Kompetenznachweis.
Aber auch für eine begehrte Lehrstelle mit viel Kundenkontakt, bei der die Kommunikation eine grosse Rolle spielt, kann das Einreichen eines Videos als «Türöffner» fungieren. Das kann in der Hotellerie oder im Detailhandel sein – ein künftiger Fachmann Bewegung- und Gesundheitsförderung hat für die Lehrstellensuche mit einem ansprechenden Video gepunktet. Darin hat er unter anderem vorgestellt, wie er im Fitnesscenter Trainingssequenzen für Kund:innen erarbeiten möchte.
Dann gibt es Jugendliche mit möglicherweise eher knappen Schulleistungen für den Wunschberuf, die aber im persönlichen Auftritt schlichtweg viel stärker wirken als auf dem Papier. Sie überzeugen durch ihre offene Art, ihre Motivation oder ihre Kommunikationsfähigkeit. Ein Bewerbungsvideo kann hier Wunder wirken und der zusätzliche Effort wird vom Lehrbetrieb geschätzt, das haben Beispiele aus der Praxis gezeigt.
Wichtig ist aber die richtige Einordnung: Ein Bewerbungsvideo ist kein «Muss» und ersetzt in der Regel keine klassischen Unterlagen. In den meisten Fällen steht das vollständige Dossier weiterhin im Zentrum. Ein Video ist also eher eine optionale Ergänzung – sinnvoll nur dann, wenn es zur Person und zur Lehrstelle passt.
Tipps und Tricks beim Erstellen eines Bewerbungsvideos
Die gute Nachricht: Ein überzeugendes Video braucht weder teure Ausrüstung noch professionelle Software. Ein Smartphone reicht vollkommen aus. Wichtig ist eine ruhige, stabile Kameraposition – ideal auf Augenhöhe und nicht als Selfie. Das Smartphone sollte dabei möglichst fixiert werden, zum Beispiel auf einem Tisch mit Hilfe eines Stapels Bücher. Ebenso sollte etwa ein Meter Abstand zur Wand / zum Hintergrund bestehen, damit das Bild ruhig wirkt und keine störenden Schatten entstehen.
Für den Schnitt genügen kostenlose und oft auf den Geräten bereits vorhandene Programme: Auf dem Mac steht iMovie standardmässig zur Verfügung, unter Windows Clipchamp. Beide Tools reichen für einfache Schnitte völlig aus. Zusätzlich eignet sich auch die kostenlose App InShot, um Videos unkompliziert zu kürzen oder kleine Anpassungen vorzunehmen.
Inhaltlich bewährt sich eine klare, kurze Struktur. Ein Video von etwa 60 bis maximal 90 Sekunden ist ideal. Zu Beginn stellen sich Jugendliche kurz vor, danach erklären sie ihre Motivation für den Beruf und den Betrieb, am Schluss folgt ein freundlicher Abschluss. Das Video kann an einem Ort gedreht werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, verschiedene Sequenzen an unterschiedlichen Schauplätzen zu drehen (z. B. auch ein Ausschnitt auf dem Sportplatz aus der Freizeit ist möglich). Wichtig dabei ist, dass nicht zu viele Wechsel stattfinden, das macht das Video unruhig.
Entscheidend ist Authentizität. Die Sprache darf ruhig Mundart sein, das wirkt natürlich. An erster Stelle steht somit Echtheit und nicht Perfektion. Kleine Versprecher oder Unsicherheiten sind also normal und können sogar sympathisch wirken.
Das eigene Erscheinungsbild sollte zum Beruf passen. Für eine KV-Lehrstelle darf es etwas formeller sein als etwa im gestalterischen Bereich – wichtig ist jedoch kein «Verkleiden», sondern ein gepflegter, passender Eindruck. Die Kleidung soll zeigen, dass man die Bewerbung ernst nimmt, ohne künstlich zu wirken.
Persönliche Elemente dürfen Platz haben. Hobbys, Interessen oder Engagement im Verein machen ein Video lebendig – besonders dann, wenn sie einen Bezug zum Beruf haben. Wer zum Beispiel gerne organisiert, im Team arbeitet oder kreativ ist, kann das ruhig kurz erwähnen.
Ein Bewerbungsvideo ist Geschmackssache
Was bei einem Betrieb gut ankommt, wirkt bei einem anderen vielleicht weniger passend. Ein Bewerbungsvideo ist somit immer auch eine Frage des Geschmacks des Empfängers. Genau deshalb sollte das Video nicht auf Perfektion oder maximale Wirkung optimiert werden, sondern auf Ehrlichkeit und Natürlichkeit.
Fazit
Ein Bewerbungsvideo ist bei Lehrstellensuche in der Regel weiterhin freiwillig und eher selten. In passenden Situationen kann es jedoch eine wertvolle Ergänzung sein, um Motivation und Persönlichkeit sichtbar zu machen – einfach, authentisch und ohne grossen technischen Aufwand.
Do’s – das hilft wirklich:
- Ruhige Kameraposition (Handy fix auf Tisch oder Stativ)
- Ca. 1 Meter Abstand zum Hintergrund für ein ruhiges Bild
- Beleuchtung, ideal Tageslicht von vorne
- Kurz und klar bleiben (ca. 60–90 Sekunden)
- Natürlich sprechen (Mundart)
- Bezug zum Beruf und zur Motivation herstellen
- Persönliche Elemente wie Hobbys einbauen
Don’ts – besser vermeiden:
- Selfie-Aufnahmen aus der Hand (wirkt unruhig)
- Zu lange Videos
- Auswendig gelernte, formelle Texte
- Laute Musik, übertriebene Effekte oder schnelle Schnitte (ausser, wenn passend für den Betrieb)
- Unruhiger oder unaufgeräumter Hintergrund
- Zu viel «Perfektion» statt Persönlichkeit
Videobearbeitung:
- iMovie – bereits auf vielen Apple-Geräten installiert, sehr einfach zu bedienen
- Clipchamp – direkt im Browser oder auf Windows nutzbar, ideal für einfache Schnitte
- InShot – einfache App für Schnitt, Text und Anpassungen direkt am Handy
Weiterführende Links:
(Bevor eine App für den Videoschnitt genutzt wird, lohnt es sich, die AGB zu lesen, um auszuschliessen, dass das eigene Filmmaterial weiterverwendet werden kann.)