9. März 2026
Prägnante Keywords statt ausschweifende Lebensläufe
Wer auf Stellensuche ist, kann von Business-Netzwerken wie Xing und LinkedIn profitieren. Der Nutzen ist stark von der Branche und dem Arbeitsumfeld abhängig, für das man sich interessiert. Xing ist nach wie vor praktisch bei der Stellensuche in Deutschland. In der Schweiz hat LinkedIn die Führungsrolle übernommen. Mittlerweile nutzen hier 5,3 Millionen Menschen LinkedIn.
Da in der Schweiz viele Jobs über persönliche Netzwerke vergeben werden, ist ein digitales Netzwerk wie LinkedIn tatsächlich eine hilfreiche Unterstützung – vorausgesetzt das Profil wird gepflegt. Wer regelmässig mit anderen Usern interagiert, sich bei Fachdiskussionen beteiligt und mit wichtigen Branchenkontakten oder ehemaligen Studienkolleg:innen vernetzt ist, erhält häufig Hinweise auf offene Stellen, bevor diese öffentlich ausgeschrieben werden.
Was in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ist zudem das sogenannte Activ Sourcing via LinkedIn. Viele Konzerne, grössere Organisationen und Start-Ups rekrutieren über LinkedIn, vor allem in Branchen wie Finanzen, Pharma, IT, Beratung oder Ingenieurwesen. Zunehmend suchen auch kleinere Firmen und KMU ihre Fachkräfte auf diesem Kanal. Bei international tätigen Firmen ist LinkedIn oft wichtiger als klassische Schweizer Jobportale. Damit man von den Recruiter:innen gefunden wird, muss man das Profil entsprechend ausrichten und mit guten Schlagwörtern versehen. Denn HR-Leute suchen nicht nach Lebensläufen, sondern gezielt nach Suchbegriffen und den richtigen Stichworten.
Negative Seiten
Wer seit längerem auf LinkedIn unterwegs ist, kennt auch die negativen Trends: Es kursieren viele mittelmässige Marketingbeiträge und gegenseitiges digitales Schulterklopfen. Relevante Fachartikel und interessante Kommentare werden je länger je mehr von KI-generiertem Gefloskel verdrängt.
Leider bleibt es nicht nur bei langweiligen Posts, auch Fake-Profile und unseriöse Jobangebote nehmen zu. LinkedIn ist ein öffentliches SocialMedia-Netzwerk und als solches anfällig für Fakes und Betrügereien. Vorsichtig sollte man sein bei Jobs, die mit hohen Gehältern locken, bei Kontaktanfragen von Unbekannten mit wahnsinnig imposanten Lebensläufen oder bei anderen unrealistischen Versprechen.
Heikles Thema Datenschutz
Viele Nutzer:innen sind eher unbedarft, wenn es um Datenschutz geht. Um kompetent zu wirken, geben Sie detaillierte Informationen zu Projekten, Kund:innen, Firmeninternas oder private Kontaktdaten preis. Diese Informationen können zu Missbrauch führen.
LinkedIn gehört zum Microsoft-Konzern und nutzt seit Herbst 2025 sämtliche Daten für KI-Trainings. Das kann man verhindern, indem man die Nutzung der eigenen Daten für KI verbietet. Im November 2025 wurde ein Hackerangriff gemeldet, der auch LinkedIn betraf, viele Passwörter wurden geleakt. Schützen kann man sich am besten mit einem starken Passwort und der Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Fazit
Soll ein LinkedIn-Profil etwas nützen bei der Stellensuche, muss man es sehr bewusst pflegen und optimieren. Neben dem Austausch im eigenen Netzwerk sind alle Angaben wichtig, die für Recruiter:innen relevant sind. Die richtigen Keywords sind deshalb essentiell. Dazu gehört ein ansprechender Bildauftritt.
Damit man keine unerwünschte Datenspuren im Netzwerk und darüber hinaus hinterlässt, sollte man sich unbedingt die Zeit nehmen, die Profil-Einstellungen insbesondere den Bereich «Datenschutz» und «Anzeigendaten» seriös durchzuarbeiten und alle unerwünschten Eingriffe von LinkedIn, Microsoft und Dritten zu deaktivieren. Gesundes Misstrauen bei seltsamen Kontaktanfragen ist ebenfalls sinnvoll.
Tipps fürs Profil
Profil bearbeiten: Bevor Sie Ihr Profil überarbeiten, überlegen Sie, wer von den Änderungen (bei jedem Speichern) erfahren soll, siehe «Profil-Updates mit Ihrem Netzwerk teilen | LinkedIn Hilfe»
Keywords: Exakte Jobbezeichnungen, entsprechend dem Schweizer Arbeitsmarkt (z. B. «Treuhänder mit eidg. Fachausweis» statt «Accountant»); klare branchenspezifische Fachbegriffe (SEO, Swiss GAAP FER), Tools und Systeme (Typo3, SAP, Photoshop, Sharepoint), Kenntnisse (Unternehmenskommunikation, Change Management).
Headline: Der wichtigste Ort für das Ranking (für Maschine und Mensch): ca. 220 Zeichen, Jobtitel, Level (Praktikantin, Fachspezialist, Projektmanagerin), die drei bis vier wichtigsten Keywords, weitere Stichworte zur Positionierung (Erfahrung, Vertiefung, Spezialwissen); keine allgemeine philosophischen Weisheiten oder Zitate.
Dieselben Stichworte gehören auch in weitere Textfelder. Generell gilt: Möglichst alle Felder ausfüllen, Textfelder mit Bullet-Points strukturieren.
Foto: Es gelten dieselben Regeln wie beim CV: aktuelles, professionelles Porträtfoto, keine Selfies und keine Ferienföteli. Visuell attraktiv ist ein passendes Hintergrundbild. Profile ohne Fotos sind ein No-Go.
Standort: Nicht den (kleinen) Wohnort, sondern den Arbeitsmarkt wählen: Region Aargau-Solothurn statt Safenwil.
Sprachen: In der Schweiz ist Mehrsprachigkeit ein Plus. Realistische Angaben zu Sprachkenntnissen, bei Interesse an internationalen Stellen: Profil zusätzlich auf Englisch erstellen resp. auf Französisch für die Romandie.
Open to work: Diese Funktion kann man anpassen, dass nur Recruiter sie sehen (wichtig solange man angestellt ist). Gezielt formulieren, gesuchte Jobtitel und Regionen definieren.
Kenntnisse / Empfehlungen: Kenntnisse von Kolleg:innen und Geschäftspartner:innen bestätigen lassen und selber anderen bestätigen. Ehemalige Vorgesetzte oder Kund:innen um eine kurze Referenz bitten.
Aktivitäten: LinkedIn belohnt Aktivität, schon ein bis zwei Interaktionen pro Woche erhöhen die Sichtbarkeit markant. Doch: Aktivitäten sollen strategisch sinnvoll sein d. h. man will sich als Fachperson zeigen und kommentiert nur, wo man wirklich etwas zu sagen hat, teilt eigene Fachartikel und keine polarisierenden politischen Beiträge.
Netzwerken: Qualität vor Quantität. Wer keine öffentliche Funktion hat, hat selten über 500 – nützliche – Kontakte. Lieber weniger, diese aber pflegen.
Ausserdem hilfreich für alle Aktivitäten im Internet: «Have I been pwned». Auf dieser Website kann man überprüfen, ob die eigene E-mail-Adresse in einem Datenleak aufgetaucht ist.