2. Oktober 2025

Mein Körper, mein Tempel?

Viele junge Frauen blicken dauernd kritisch in den Spiegel und vergleichen sich – nicht nur mit Schulkameradinnen, sondern «dank» Social Media mit dem Rest der Welt. Désirée Eberle, Teamleiterin Psychologische Beratung und Psychotherapie bei ask!, erzählt aus der Beratungspraxis und gibt Tipps für mehr Akzeptanz.
Autor:in: Daniela Furrer, Fachspezialistin Kommunikation
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Bild: Désirée Eberle, Teamleiterin Psychologische Beratung und Psychotherapie Baden

Früher waren es retuschierte Fotos in Hochglanzmagazinen oder auf Werbetafeln, heute sind es bearbeitete und gefilterte Selfies auf Social Media: Schon früh kommen junge Frauen mit unrealistischen Schönheitsidealen in Berührung. Dass die Bilder bearbeitet sind, weiss man eigentlich. Und trotzdem beeinflussen sie die Wahrnehmung des eigenen Körpers. «Wenn wir häufig bearbeitete Bilder sehen, wird in unserem Gehirn das künstliche Körperbild unbewusst als normal abgespeichert», erklärt Désirée Eberle, Teamleiterin Psychologische Beratung und Psychotherapie Baden bei ask! 

Wenn das Spiegelbild nicht passt

In der Pubertät verändert sich der Körper, was zu Unsicherheiten führen kann. Teenager müssen ihren Körper neu kennenlernen und in eine neue Rolle hineinwachsen. Vor allem Mädchen beschäftigen sich intensiv mit ihrem Körper, überlegen, was sie anziehen sollen und was dieses Outfit über sie vermittelt. Automatisch beginnen sie, sich mit anderen zu vergleichen. 

Das ständige Vergleichen kann zu einer negativen Wahrnehmung des eigenen Körpers führen. Sei es, dass der Körper als Ganzes als unzulänglich wahrgenommen wird, oder auch einzelne Eigenschaften wie die Körpergrösse, die Beschaffenheit der Haare oder einzelne Körperteile.

«In unseren Beratungen taucht das Thema Körperbild häufig zusammen mit anderen Themen auf. Wir nehmen zum Beispiel einen Fitnesstrend wahr, es gibt Mädchen, die übermässig viel Sport treiben. Das Körperbild steht dabei nicht im Vordergrund, es geht um das weitaus grössere Thema ‹Selbstwert›», weiss Eberle. Neben dem Einfluss von Medien und Social Media spielt auch die Gruppendynamik eine Rolle. Je nachdem, in welcher Gruppe sich Mädchen bewegen, entwickeln sie andere Vorstellungen des «idealen» Körpers. Auch das Elternhaus kann dazu beitragen. Macht die Mutter beispielsweise oft Diäten, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass auch die Tochter dies tun wird. 

Ein negatives Körperbild kann Impulse geben

Fühlen sich Mädchen unwohl in ihrem Körper oder machen Diäten, kommt schnell der Gedanke «Essstörung». Eberle erklärt: «Ein negatives Körperbild allein reicht nicht, um eine Essstörung zu entwickeln. Oft sind es verschiedene Faktoren, die zusammenspielen.»

Wer seinen Körper nicht mag, ist unzufrieden. Die Auswirkungen sind aber nicht per se negativ: «Das Unwohlsein kann auch zu einer positiven Veränderung führen, beispielsweise zu einem gesünderen Essrhythmus oder Lebensstil», sagt Eberle.

Selbstwert stärken, Selbstmitgefühl üben

Und was hilft, den Körper zu akzeptieren, so wie er ist? «Ich würde mich fragen, was ich an meinem Körper gerne mag und den Fokus darauf richten», rät Désirée Eberle. «Ausserdem kann man sich überlegen, was veränderbar ist und was nicht. Beim ersten kann man Alternativen erarbeiten und beim Gegebenen hilft es, Akzeptanz aufzubauen.» Man kann auch über den Körper hinausdenken, denn Menschen sind nicht nur Körper, sondern auch Geist. Zudem hilft es, wenn man seinen Selbstwert stärkt und Selbstliebe und Selbstmitgefühl übt. «Oft sind wir uns selbst gegenüber viel zu hart, anstatt uns mit demselben Verständnis zu begegnen, das wir unseren Freunden entgegenbringen», weiss die Psychologin. Wenn jemand Selbstmitgefühl entwickelt, hat dies oft einen positiven Effekt auf die Akzeptanz. «Unser Körper ist nicht nur da, um schön zu sein. Er hat Aufgaben und leistet unglaublich viel für uns. Dafür darf man auch dankbar sein», weiss Eberle.

Eine Pause von Social Media kann ebenfalls helfen, ein besseres Bild vom eigenen Körper zu bekommen. Wer nach einer Pause wieder anfängt, kann bewusst Accounts entfolgen, die ein ungutes Gefühl gegenüber dem eigenen Körper vermitteln. Stattdessen bietet es sich an, Profilen zu folgen, welche die Einzigartigkeit jedes menschlichen Körpers feiern.

Der Jugendpsychologische Dienst von ask! bietet Hilfe für Jugendliche, die einen belastenden Umgang mit ihrem Körperbild haben:  Zur Anmeldung

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