7. Oktober 2025

Multicheck und Co.

Einige Lehrbetriebe verlangen im Rahmen des Selektionsverfahrens von künftigen Lernenden das Ergebnis eines Eignungstests. Die Testresultate sollen ergänzend zum Schulzeugnis Hinweise geben auf die Fähigkeiten und Potenziale der Jugendlichen. Wie sind diese Tests und Checks einzuordnen? Können sich Jugendliche darauf vorbereiten? Christine Gisin, Berufs- Studien- und Laufbahnberaterin bei ask!, gibt Auskunft.
Autor:in: Barbara Gisi, Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin, Teamleiterin Rheinfelden
Teilen auf

Bild: Christine Gisin, Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin bei ask!

Eignungstests sind standardisierte Prüfungen, die zentral und unter einheitlichen Bedingungen durchgeführt werden. Die Tests sind berufsbezogen aufgebaut, d. h. sie testen Unterschiedliches und sind dadurch nicht für x-beliebige Berufe verwendbar. Alle Teilnehmenden lösen dabei innerhalb eines «Eignungsteststyps» die gleichen Aufgaben, was die Ergebnisse vergleichbar machen soll. Die Tests sind kostenpflichtig und werden ausserhalb der Schule absolviert. Jugendliche melden sich vorgängig online an einem der Testcenter aus der Region an. 

Einer der bekanntesten Tests ist der Multicheck, daneben bieten auch Branchenverbände eigene Testformate an – beispielsweise der Autogewerbeverband oder der Gebäudetechnikverband, einige Firmen führen intern Tests durch. Die Tests prüfen schulische Kenntnisse in Mathematik, Deutsch und teilweise in Fremdsprachen. Auch Fähigkeiten wie logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentration, technisches Verständnis oder das Kurzzeitgedächtnis werden getestet.

Vorbereitet in den Eignungstest

«Eignungstests basieren auf dem Schulwissen der 8. Klasse», erklärt Berufsberaterin Christine Gisin. Sie betont, dass Jugendliche sich deshalb nach Möglichkeit erst ab Start 9. Schuljahr für einen Test anmelden sollen. Sie hat schon Jugendliche in der Beratung erlebt, die bereits in der 8. Klasse einen Eignungstest absolviert hatten, was sich dann teilweise in einem unbefriedigenden Resultat gezeigt hatte, weil der abgefragte Schulstoff im Unterricht noch nicht behandelt worden war. «Ein Eignungstest kann wiederholt werden, das ist aber mit erneuten Kosten verbunden und auf dem Ergebnis ist vermerkt, dass es sich um den zweiten Versuch handelt», so Gisin.

Testanbieter stellen auf ihren Websites in der Regel Beispiel- und Übungsaufgaben zur Verfügung. Gisin betont, dass eine gezielte Vorbereitung hilft, Sicherheit zu gewinnen und die Prüfungsformate besser zu verstehen. Es gehe nicht darum, Ergebnisse künstlich zu verbessern, sondern darum, Unsicherheiten zu reduzieren, um dann am Prüfungstag selber möglichst gelassen und selbstbewusst mit der Herausforderung umzugehen.

Wichtig: Ein Eignungstest sollte nach Möglichkeit erst dann absolviert werden, wenn der Berufswunsch bereits klar ist. Ändert sich der Berufswunsch, ist teilweise ein zusätzlicher Eignungstests notwendig, erzählt Gisin. 

Check S2 – schulnah und eine Alternative zu Eignungstests

Im Unterschied zu Eignungstests, soll sowohl der Check S2 (2. Oberstufe) als auch der Check S3 (3. Oberstufe) als Förderinstrument dienen. Die Checks werden im Kanton AG flächendeckend in allen Schulklassen im Rahmen des Unterrichts durchgeführt und sind kostenlos. Ein grosses Plus ist, dass inzwischen viele Lehrbetriebe das Check S2- oder Check S3-Resultat als Alternative zu einem Eignungstest akzeptieren. 

Gisin macht darauf aufmerksam, dass es dabei ganz wichtig ist, einen Profilabgleich mit dem angestrebten Beruf zu erstellen und diesen Abgleich mit dem Bewerbungsdossier mitzusenden. Der Profilabgleich zeigt auf, in welchen Fächern die Anforderungen für den Wunschberuf erfüllt oder sogar übertroffen sind bzw. wo noch Lücken zum Aufarbeiten sind. Jugendliche können mittels ihrem Profilcode auf der Website «check-dein-wissen.ch» den Profilabgleich für verschiedene Berufe kostenlos vornehmen.

Ein Element unter vielen

Gisin betont, dass Eignungstests und Check S2 zwar wertvolle Informationen liefern können, doch nur ein Mosaikstein unter vielen im Selektionsverfahren sind. Entscheidend bleiben Motivation, persönlicher Eindruck, Erfahrungen aus Schnupperlehren und ein überzeugendes Bewerbungsdossier. «Testergebnisse werden immer im Gesamtkontext betrachtet», so Gisin. «Ein eher mässiges Resultat ist kein Ausschlusskriterium – und ein sehr gutes Ergebnis allein garantiert noch keine Lehrstelle.»

Wichtig zu wissen: Nicht alle Lehrbetriebe verlangen einen Eignungstest. Lehrstelleninserate geben in der Regel Auskunft, ob und welcher Eignungstest verlangt wird. Wer unsicher ist, ob bei seinem Wunschberuf das Absolvieren eines Eignungstests erforderlich ist, kann sich gerne für Informationen an ask! wenden.

Check S2-Ergebnis mit Anforderungsprofilen verschiedener Berufe vergleichen

Verschiedene Eignungstests 

 

© ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf