24. März 2025

Welches Zwischenjahr passt zu mir?

Nicht allen Jugendlichen gelingt der nahtlose Übergang in eine Berufsausbildung oder eine weiterführende Schule. Andrea Gisin-Finckh, Berufs- Studien- und Laufbahnberaterin bei ask! am Standort Rheinfelden, erklärt, wann ein Zwischenjahr wirklich Sinn macht und welche Faktoren dabei zu berücksichtigen sind.
Autor:in: Barbara Gisi, Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin, Teamleiterin Rheinfelden
Teilen auf

Bild: Andrea Gisin-Finckh, Berufs- Studien- und Laufbahnberaterin bei ask! (ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf)

Es gibt verschiedene Formen von Zwischenjahren. Am bekanntesten und wohl am häufigsten gewählt ist das vom Kanton Aargau finanzierte Brückenangebot (auch 10. Schuljahr genannt).  Als weitere Beispiele nennt Gisin-Finckh Praktika, Sprachaufenthalte oder Vorbereitungskurse, deren Kosten in vielen Fällen selbst getragen werden müssen. Ein Zwischenjahr dauert in der Regel ein Jahr und startet jeweils im August mit dem neuen Schuljahr. 

Wann ist es an der Zeit, über eine Zwischenlösung nachzudenken? 

Spätestens im Frühjahr der Abschlussklasse prüft Gisin-Finckh in der Beratung gemeinsam mit den Jugendlichen Alternativen, sofern sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Anschlusslösung abzeichnet. Mit der Anmeldung für ein Zwischenjahr sind die Jugendlichen «abgesichert», können bis in die Sommermonate hinein weiter nach einer Lehrstelle suchen und sich dann bei einer Lehrstellenzusage in der Regel noch vom Zwischenjahr abmelden. 

Gründe für ein Zwischenjahr 

1. Berufswahl ist noch nicht klar  

«Manche Jugendliche sind noch nicht so weit, sich für einen Beruf zu entscheiden», erklärt Gisin-Finckh. Die erfahrene Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin findet es isolchen Fällen sinnvoller, ein Zwischenjahr einzuplanen als mit einer unpassenden Ausbildung zu beginnen, die dann allenfalls wieder abgebrochen wird. 

2. Keine Lehrstelle gefunden oder Lehrvertrag im Folgejahr  

Wird während der regulären Lehrstellensuche kein Ausbildungsplatz gefunden oder ein Lehrvertrag erst für das Folgejahr zugesichert, ist die Planung einer Zwischenlösung unumgänglich. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Jugendliche für Berufe interessieren, in denen das Angebot an offenen Lehrstellen gering ist, erläutert Gisin-Finckh.  

3. Schulkenntnisse aufbessern für den Wunschberuf  

«Nicht immer reichen die Schulnoten aus, um eine Lehrstelle im Traumberuf zu bekommen», so Gisin-FinckhDiesen Jugendlichen kann ein schulisches Zwischenjahr helfen, Wissenslücken zu schliessen, um dann ein Jahr später mit der Wunschlehre zu starten. 

4. Vorkurse und Praktika

Für die meisten gestalterischen Grundbildungen ist der Besuch eines gestalterischen Vorkurses Voraussetzungein direkter Einstieg nach der obligatorischen Schulzeit ist also oft gar nicht möglich, erklärt Gisin-Finckh. Die Kosten müssen grösstenteils selbst getragen werden. Als typischen Beruf, für den in der Regel ein einjähriges Praktikum erwartet wird, nennt sie «Fachfrau Betreuung (Fachrichtung Kinder)». Schulisch starke Jugendliche, die den Notendurchschnitt für eine Mittelschule nicht erreicht haben, nutzen das Zwischenjahr teilweise, um sich mit einem privaten Mittelschulvorbereitungskurs auf die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. 

5. Sprachaufenthalt

Manche Jugendliche träumen von einem Sprachaufenthalt als Zwischenjahr. Bei dieser Variante ist es wichtig, sich der hohen Kosten bewusst zu sein. Gisin-Finck weist darauf hin, dass ein Sprachaufenthalt dann Sinn macht, wenn der Lehrvertrag im Voraus schriftlich zugesichert wurde. Sie hat schon Anfragen von Eltern erhalten, welche sich erkundigt haben, wie ihr Kind mit Sprachjahr in den USA nun eine Lehrstelle finden kann. 

 

Mit Planung zum Ziel 

Im Beratungsgespräch prüft Andrea Gisin-Finckh mit den Jugendlichen individuell, welches Zwischenjahr zu ihrer Situation und Persönlichkeit passt. So macht es zum Beispiel für schulmüde Jugendliche keinen Sinn, ein weiteres Vollzeitschuljahr zu absolvieren. Hier ist ein Praktikum besser geeignet. Sie empfiehlt, parallel zur praktischen Tätigkeit mindestens einen Schultag pro Woche zu absolvieren, um den Anschluss an den Schulstoff zu halten, damit später der Übergang in die Berufsschule klappt. Sie motiviert die Jugendlichen, «am Ball zu bleiben», auch wenn sie sich für ein Zwischenjahr angemeldet haben. Oft wird nämlich vergessen, dass die Lehrstellensuche bereits im August des Zwischenjahres für das Folgejahr wieder beginnt. Zu diesem Zeitpunkt ist im Idealfall bereits klar, für welchen Beruf eine Lehrstelle gesucht wird oder welche Mittelschule im Fokus steht.  

Aktiv in die Zukunft 

Ein Zwischenjahr bietet die Möglichkeit, den Übergang von der Schule in die Berufsausbildung oder weiterführende Schule aktiv zu gestalten. Es ist jedoch kein Freifahrtschein für eine «Pause», sondern eine Zeit der gezielten Vorbereitung. Eltern und Lehrpersonen spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Orientierung und Unterstützung bieten, damit der Übergang möglichst reibungslos und zielgerichtet verläuft.  

Bei Fragen zum passenden Zwischenjahr unterstützt ask! gerne.   

© ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf